Mixing: Kräftige Hip-Hop Drums à la Dr. Dre mit Parallelkompression

Als Dr. Dre mit der Veröffentlichung seines Albums „2001“ ein Stück Hip-Hop Geschichte geschrieben hat, kam für mich die Frage auf, wie man Drums so transparent und kräftig zu gleich klingen lassen kann. Neben der jahrzehntelangen Erfahrung von Dr. Dre, ist Parallelkompression ein wichtiger Erfolgsfaktor für sein Mixing.

Bei Schlagzeugaufnahmen oder Drumsamples kommt der Summenmix wegen der starken Ausschläge schnell in den roten Bereich, ohne im Vergleich zu anderen Songs laut zu wirken. Ein Kompressor wird in den meisten Fällen beim Mixing Abhilfe verschaffen. Jedoch kann ein Kompressor auch den Punch aus den Drums nehmen, weil die impulsiven Signale (Transienten) stark bearbeitet werden. Die Mixing-Technik „Parallelkompression“ bietet seit vielen Jahren einen transparenten, natürlichen und kräftigen Sound-Kompromiss. Ihr werdet diese Technik schnell lieben lernen.

Beatbrücke Propellerhead Reason Mixer Parallelkompression MixingZu erst müsst ihr eure Drumspur duplizieren. Wenn ihr für alle Drum-Bestandteile einzelne Spuren verwendet, bildet einfach eine Gruppenspur und dupliziert diese. Die Orginalspur bleibt unbearbeitet, um den natürlichen Klang der Transienten zu erhalten. Die duplizierte Spur wird mit einem Kompressor spürbar bearbeitet (Ratio weit über 5:1, mind. -6db Kompression). Es ist unwichtig, wie die einzelne Spur klingt, der Mix zählt. Lasst euch also nicht von der Solospur beeindrucken. Jetzt könnt Ihr die komprimierte Spur dem Originalsound beimischen. Die Summe sollte nicht mehr stark komprimiert klingen und einen transparenten, kräftigen Drumsound ergeben. Finito!

Beachtet, dass es softwareseitig mittlerweile ein Dutzend Kompressoren gibt, die sich diese Mixing-Technik zu nutze machen. Solche Kompressoren sind meistens mit einem Dry/Wet Regler ausgestattet und ersparen einem das Duplizieren. Doch wenn man die Sache weiter auf die Spitze treiben möchte, kommen Plugins schnell an Ihre Grenzen. Ihr könnt weitere Duplikate erstellen, die Frequenzbereiche (tief, mittel und hoch ) mit Frequenzfiltern separat komprimieren und dem Original beimischen.

Auch könnt Ihr so spezielle Vintagekompressoren verwenden, die eine Klangwärme durch gezielte Übersteuerung erzeugen. Ich benutze häufig den Vintage-Kompressor „RE-2A Leveling Amplifier“ von Cakewalk.

Beatbrücke Propellerhead Reason Vintage Parallelkompression RE-2A Leveling Amplifier Mixing

Wie sind eure Erfahrungen mit Parallelkompression?
Welche Kompressoren benutzt Ihr beim Mixing?
Welche Wunderwaffe habt ihr für knackiges Drum-Mixing?

3 Comments

  1. […] Auch mein Artikel über Parallelkompression von Drums könnte euch bei der Sound-Optimierung helfen: https://www.beatbruecke.de/mixing-drums-parallelkompression/ […]

  2. Urs "Üse" Tanner sagt:

    Ich benutze bei Hiphopdrums auf der Summe nichts ausser ev einem EQ um gewisse Frequenzen abzusenken und den Vertigo-Compressor von Pluginalliance. Den Vertigo lasse ich nur dezent die Peaks etwas reduzieren, aber mit langsamem Attack. Limiter benutze ich keine mehr, da mir diese etwas zu viel Punch und Bottom wegnehmen.

    Auf den einzelnen Spuren benutze ich z.T. ziemlich exzessives Prozessing. Bei Kicks zuerst einen EQ um Problemzonen zu beheben, dann einen Transient-Designer um mehr Attack zu generieren, dann einen Geschmacks-EQ (meist Maag-EQ von Pluginalliance), ev noch etwas Overdrive mittels dem Kramer-Tape von Waves und am Schluss noch den L2 Limiter, ebenfalls von Waves. Vielfach layere ich die einzelnen Spuren. Nochmals Kick: da nehme ich eine für den Bottom, eine für den Attack und z.B. eine für den Charakter (also Vinyl-Samples z.B.). Diese Kicks lasse ich über eine Subgruppe zusammenführen und bearbeite sie nochmals gemeinsam mit EQ und Limiter – je nach dem sogar mit weiteren Plugins.

    Bei Hiphopdrums achte ich darauf, dass man die einzelnen Elemente gut hört und fühlt (Attack, Bottom) und das Drum nicht mittels Kompression und dergleichen zusammengedrückt wird. Bei Rockdrums verwende ich gerne Summenbearbeitung und Parallelkompression weil ich möchte, dass das Drum als EIN Instrument wahrgenommen wird und nicht als einzelne Teile. Bei Hiphop sieht das gänzlich anders aus. Ist meine Herangehensweise und nicht in Stein gemeisselt 😉

    • Don Bosi sagt:

      Vielen Dank für einen sehr detaillierten Einblick in deine Arbeitsweisen Üse. Viele Wege führen nach Rom, macht aber alles Sinn, was du berichtest. Die Frage ist natürlich auch immer, was für ein Ausgangsmaterial hat man. Künstler wie Herr von Grau oder The Roots haben immer aufgenommene Drum-Spuren oder viele Producer benutzen auch Drumsets, die bereits mit EQ und Kompressor bearbeitet sind und passen diese mit EQ und Hall nur noch an den Mix an.

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